Zwangsstörung

Krankheitsbild und Symptome von Zwangsstörung

Zwangsstörungen äußern sich in wiederkehrenden stereotypen Gedanken, Impulsen und Verhaltensweisen, die für die Betroffenen sehr quälend sein können. Betroffene waschen sich beispielsweise exzessiv und wiederholt die Hände, kontrollieren immer wieder ob die Haustür zu oder der Herd aus ist oder haben Angst jemand anderen zu schädigen. Obwohl die eigenen Gedanken und Handlungen meist als „unsinnig“ und „übertrieben“ erlebt werden, kann der Zwangserkrankte häufig keinen Widerstand leisten und muss die Handlungen durchführen.

Zwänge schränken das Leben der Betroffenen ein und können eine sehr starke Belastung für den Betroffenen oder die Angehörigen darstellen. Menschen mit Zwängen schämen sich häufig für ihre Symptome und verheimlichen diese gegenüber der Umwelt.

Teils kann der Betroffene erkennen, dass beunruhigende Zwangsgedanken den Zwangshandlungen vorausgehen. Typische Zwangsgedanken: „Ich habe den Wasserhahn nicht abgedreht und ich löse eine Überschwemmung aus“, „Wenn ich in der U-Bahn die Haltestange berühre, infiziere ich mich mit Aids“, „Ich könnte mein Kind mit dem Messer verletzen“, „Ich könnte unbemerkt jemanden mit meinem Auto überfahren“ oder „Wenn ich etwas Schlechtes denke, dann passiert etwas Schlimmes“ u.v.m.

 

Verschiedene Formen von Zwangsstörungen

Messie-Syndrom

Zu den Zwangshandlungen zählt auch das zwanghafte Horten („Messie-Syndrom“). Menschen mit dieser Erkrankung sammeln zwanghaft alle möglichen Dinge und können sich nicht von Unnützem trennen. Die Wohnungen sind häufig vollgeräumt, aus Scham wird Besuch vermieden, hieraus entsteht soziale Isolation.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Merkmale der zwanghaften Persönlichkeit sind die starke Beschäftigung mit Inhalten wie Ordnung, Perfektion und einem hohen Kontrollbedürfnis. Durch die gründliche Beachtung von Regeln, Formalismen, Details und Listen verlieren sie die eigentliche Aufgabe aus dem Blick. Dies führt häufig dazu, dass Aufgaben nicht abgeschlossen werden können. Häufig leiden Freizeit und Freundschaft, da der Betroffene sich hierfür keinen Raum lässt. Es bestehen oft rigide Moral- und Wertvorstellungen, die der eigenen Person und anderen Menschen viel abverlangen. Häufig leidet das Umfeld und dem Verhalten der Betroffenen.

Zwangsspektrumsstörungen

Hierzu zählen die sogenannten Impulskontrollstörungen wie das zwanghafte Haareausreißen (Trichotillomanie), pathologische Kaufen, pathologische Stehlen (Kleptomanie) oder Internetsucht. Bei der Trichotillomanie besteht ein wiederholtes Ausreißen von Haaren, dies kann alle behaarten Körperstellen betreffen. Das Haarereißen löst im Moment des Reißens typischerweise ein positives Gefühl aus oder reduziert Spannung. Die Störung verursacht den Betroffenen Leiden durch kahle Haarstellen und führt zu Einschränkungen in sozialen und beruflichen Situationen. Pathologisches Kaufen kann vorliegen, wenn der Betroffene permanent und über längere Zeit zwanghaft überflüssige Dinge kauft. Das Kaufen löst dabei ein unmittelbares Hochgefühl aus, das von Schuldgefühlen gefolgt ist. Trotz negativer Folgen (u.a. Verschuldung) werden die Impulse als unkontrollierbar erlebt. Ähnlich ist es beim pathologischen Stehlen. Betroffene können wiederholt Stehlimpulsen nicht widerstehen, ohne dass die gestohlenen Dinge der persönlichen Bereicherung dienen. Stattdessen werden die Gegenstände weggeworfen oder gehortet.

Therapie von Zwangsstörung

Die Patienten werden in einer speziellen Gruppe behandelt, was von den Betroffenen in der Regel als sehr entlastend erlebt wird. Die Therapeuten gehen individuell auf jeden einzelnen Patienten ein. Der Behandlungsumfang für Zwangs- und Zwangsspektrumsstörungen beträgt ca. 8 – 10 Wochen.

Im unten stehenden Wochenplan erfahren Sie, wie die Therapiewoche aufgebaut ist. Alle aufgeführten Termine finden gemeinsam mit der Gruppe statt. So entsteht Zusammengehörigkeit und Vertrauen. Patienten müssen bereit sein, eigene Probleme in die Gruppe einzubringen und sich mit den anderen Gruppenmitgliedern auseinanderzusetzen.

  • In der Montagsgruppe berichtet jeder Patient über seinen aktuellen Stand in der Therapie: Was konnte er bisher erkennen, womit bringt er seine Symptome in Zusammenhang und mit welchem Thema wird er sich die kommende Woche beschäftigen?
  • In den Expositionsterminen werden Konfrontationsübungen zum Zwang durchgeführt oder andere schwierige Situationen geübt. Dies findet selbständig oder in therapeutischer Begleitung statt.
  • In den Gesprächsgruppen werden Verhaltensanalysen durchgeführt, Krankheitsmodelle erstellt und Familienskulpturen aufgestellt. Durch kognitive Ansätze werden Einstellungen und Verhaltensmuster hinterfragt und modifiziert.
  • Im Emotionsmanagement werden die emotionalen Kompetenzen gestärkt und ein konstruktiver Umgang mit belastenden Emotionen erlernt werden (u.a. Diskriminationstraining, Emotionsanalysen, Imaginationsübungen, Stuhl-Dialoge). Das Training der Achtsamkeit und Wahrnehmung soll die Emotionswahrnehmung unterstützen und die achtsame Haltung weiterführend schulen.
  • Im Selbstsicherheitstraining werden Rollenspiele zu schwierigen Situationen durchgeführt  und ggf. auf Video analysiert. Insbesondere selbstunsichere Menschen können hier ein selbstsichereres Verhalten erlernen.
  • Die Kunsttherapie dient dem bildnerischen Ausdruck von Wünschen, Bedürfnissen und Einstellungen sowie der Entfaltung des kreativen Potentials. Sie ergänzt damit die rationalen und verbalen Therapieelemente.
  • In der Wochenendplanung wird die aktive Gestaltung des Wochenendes geplant, da viele Patienten sich gerade am Wochenende vermehrt mit ihren Symptomen beschäftigen.

Nach Entlassung haben Sie die Möglichkeit an unserer 14-tägig stattfindenden Selbsthilfegruppe teilzunehmen.

Im unten stehenden Wochenplan können Sie den Wochenablauf der Gruppen einsehen und ausdrucken.

Wochenplan Zwang