Soziales Kompetenztraining

soziales-kompetenztraining-icon-tagesklinik-westend

Soziales Kompetenztraining

Psychische Erkrankungen und der Verlust oder Mangel an sozialen Kompetenzen sind eng miteinander verbunden. Besonders häufig zeigen sich hier Störungen in der Kommunikation. Betroffene können sich nicht adäquat mitteilen, erweisen sich in der Folge als aggressiv, feindselig oder auch als überangepasst und isoliert. Sie fühlen sich missverstanden oder es fehlt an Empathie gegenüber anderen Menschen, die sie durch ihr Verhalten kränken.

Mit dem Begriff „soziale Kompetenzen“ bezeichnen wir die Fähigkeit, soziale Beziehungen in der Familie, unter Freunden und am Arbeitsplatz angemessen zu pflegen. Dazu gehört immer das richtige Maß zwischen Geben und Nehmen, Mitteilen und Zuhören, Anspruch und Kompromiss. Wird jedoch das eigene Verhalten durch eine psychische oder psychosomatische Erkrankung beeinflusst, fällt es den Betroffenen verständlicherweise schwer, eine angemessene Balance zu finden und zu halten.

Ein soziales Kompetenztraining hilft dann den Betroffenen, die eigenen Verhaltensweisen kritisch zu reflektieren und neue Strategien im Umgang sowie in der Kommunikation mit anderen Menschen zu entwickeln. In Gruppen- und Paartherapien sowie in Familiengesprächen lässt sich dies besonders gut einüben, weshalb wir an der Tagesklinik Westend in München bevorzugt einen solchen Rahmen für das soziale Kompetenztraining wählen. Das soziale Kompetenztraining ist ein Therapiebestandteil unseres Konzeptes in der Tagesklinik Westend

Psychische Krankheiten haben ihre Ursache häufig in einer gestörten Kommunikation innerhalb der familiären Beziehungen und / oder am Arbeitsplatz. Die Gruppentherapie wie auch Paar- und Familiengespräche eignen sich deshalb besonders gut eine andere Art der Kommunikation zu erlernen und werden aus diesem Grund bevorzugt in der psychosomatischen Behandlung in unserer Tagesklinik Westend in München eingesetzt.

In vielen Fällen sind zwischenmenschliche Schwierigkeiten aber gerade auf Kommunikationsstörungen zurückzuführen. Andererseits kann direkte und eindeutige Kommunikation dazu beitragen, den eigenen Standpunkt für die Umwelt erkennbar zu machen. Direkte Kommunikation bedeutet nicht unbedingt Harmonie, dient aber der Klärung und Entscheidungsfindung. Zahlreiche Konfliktsituationen im Alltag können durch sozial kompetente Kommunikation schnell geklärt werden, sodass es nicht zu anhaltenden Konflikten und damit verbundenen Stressreaktionen kommt.

Wesentlichen Anteil am Training hat das Einüben direkter und eindeutiger Kommunikationsformen. Denn zwischenmenschliche Probleme und gestörte Beziehungen gehen regelmäßig mit Kommunikationsstörungen einher. So fällt es einem Teil unserer Patienten schwer, klar auszudrücken, was sie wollen, und insbesondere auch, was sie nicht wollen. Reagiert dann der Partner oder ein Kollege nicht wie erhofft, führt das zu Frustrationen, Streit, Rückzug. Dabei hatte der Gesprächspartner oft gar nicht die Chance, ein Nein oder eine Bitte zu verstehen.

Während die einen sich unklar äußern, verstehen die anderen unter „direkter Kommunikation“ einen harschen bis aggressiven Tonfall, der als unangemessen wahrgenommen wird. „Direkte Kommunikation“ als soziale Kompetenz erweist sich jedoch nicht darin, dass Sie sich völlig zurücknehmen oder allzu forsch in den Vordergrund spielen. Gerade den Mittelweg einzuschlagen fällt Menschen in Belastungssituationen oft schwer. Und genau daran arbeiten Sie im sozialen Kompetenztraining an der Tagesklinik Westend.

Das soziale und kommunikative Training kann einzeln oder ergänzend zu anderen  Therapieangeboten an der Tagesklinik Westend stattfinden. Zur Durchführung gehören Rollenspiele, die wir auf Video aufzeichnen und anschließend analysieren, um festzulegen, welche Verhaltensweisen als sinnvoll und welche als wenig zielführend beschrieben werden können. Letztere lernen Sie dann durch alternative Verhaltensweisen zu ersetzen.

Was beinhaltet soziales Kompetenztraining an der Tagesklinik Westend?

Soziale Ängste, Unsicherheit, fehlendes Selbstbewusstsein, das Gefühl, nicht gewollt oder geliebt zu werden, ein Mangel an Vorbildern … die Liste der Gründe, warum es Menschen an sozialen Kompetenzen fehlt, lässt sich beliebig erweitern. Entsprechend knüpft das soziale Kompetenztraining am individuellen Ist-Zustand an. Themen, an denen Teilnehmer häufig arbeiten, sind beispielsweise:

• Wie kann ich meine Empfindungen angemessen ausdrücken?
• Wie kann ich lernen, besser auf andere einzugehen?
• Wie bekomme ich meine Aggressionen in den Griff?
• Wie kann ich lernen, nein zu sagen, ohne jemanden zu verletzen?
• Wie gehe ich mit Lob und Kritik um?

Im Vordergrund stehen zudem typische Situationen, in denen sich das Fehlen sozialer Kompetenzen als besonders störend erweist. Dazu gehören die Themenblöcke

• soziale Beziehungen gestalten,
• Umgang mit der Krankheit,
• Freiräume durchsetzen und Freiräume zubilligen,
• konstruktiv streiten,
• Gefühle angemessen äußern,
• Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein aufbauen und vermitteln.

Das soziale Kompetenztraining umfasst zudem die Auseinandersetzung mit eigenen unerwünschten Verhaltensweisen und den Versuch, diese zu verstehen und zu akzeptieren, um sie aktiv verändern zu können. Basis dafür sind Gespräche, Rollenspiele und Aufgaben, auf die sich die Teilnehmer außerhalb der Therapiesitzungen konzentrieren.

Welche Methoden werden im sozialen Kompetenztraining angewandt?

Grundsätzlich ist das soziale Kompetenztraining von der Bereitschaft der Teilnehmer abhängig, an der gewünschten Veränderung aktiv zu arbeiten. Unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten befassen sie sich mit den bisherigen Problemen in sozialen Beziehungen, die im Zusammenhang mit der psychischen Erkrankung und den fehlenden Möglichkeiten, sich adäquat auszudrücken, stehen.

Zu den bekanntesten Methoden des sozialen Kompetenztrainings gehören das Personal Effectiveness Training (persönliches Effektivitätstraining, kurz: PET) und das Assertiveness-Training-Programm (Selbstbehauptungstraining, kurz: ATP).

In einem persönlichen Effektivitätstraining, wie es der amerikanische Psychiater Dr. Robert Liberman entwickelte, steht die sprachliche (verbale) und mimische oder gestische (non-verbale) Ausdrucksfähigkeit im Vordergrund. Ziel ist es, den Teilnehmern zu einem selbstbewussten Auftreten und einer unmissverständlichen Kommunikation zu verhelfen.

Welche Verhaltensweisen im Einzelnen trainiert werden, begründet sich aus der individuellen Thematik. Es kann also um aggressives Verhalten oder um eine übertriebene Unterwürfigkeit gehen. Es kann sein, dass wir uns damit befassen, warum Sie lachen, wenn Ihnen doch zum Weinen zu Mute ist, oder dass Sie trainieren, Ja zum Leben und Nein zu unangemessenen Forderungen zu sagen.

Im Selbstbehauptungstraining (ATP) stehen Rollenspiele und das Verhalten in typischen Situationen auf dem Programm. Auch hier ergeben sich die Details aus den persönlichen Voraussetzungen der Teilnehmer. Grundsätzlich erwerben Sie soziale Kompetenzen in folgenden Situationen:

• Forderungen stellen und Forderungen zurückweisen,
• Kritik und Bedürfnisse (konstruktiv) äußern,
• Kontakt aufnehmen und Beziehungen pflegen,
• selbstbewusst agieren, auch unter Beobachtung,
• Fehler akzeptieren und aushalten.

Neben den genannten Methoden können weitere ergänzt werden, beispielsweise ein Gruppentraining sozialer Kompetenzen (kurz: GSK) nach Hinsch & Pfingsten, ein Social-Skill-Training, das sich am Beruf oder an der zugrunde liegenden psychischen Störung orientiert oder auch ein Verhaltenstraining, wie es Feldhege und Krauthan entwickelten.